Kopfschmerz

Hintergrund 

Kopfschmerzen sind eine häufige Belastung des Wohlbefindens. Mehr als 56 Prozent der Österreicher haben vereinzelt Kopfschmerzen im Monat, bei rund 38 Prozent gelten die Schmerzen als chronisch (15 und mehr Kopfschmerz-Tage pro Monat). „Mit den Schmerzen büßen die Menschen nicht nur an Lebensqualität ein, sie verlieren vielfach auch ihre Leistungsfähigkeit undfallweise ihren Arbeitsplatz.  Menschen mit chronischen Kopfschmerzen sind besonders oft durch „verlorene Tage“ belastet: Zeiten, in denen berufliche wie soziale Aktivitäten durch den Schmerz sehr stark beeinträchtigt oder unmöglich sind. Rund 50 Prozent der KopfschmerzpatientInnen verlieren  mehr als 20 Tage pro Jahr aufgrund ihrer Kopfschmerzen.

Diagnostik und medikamentöse Therapie 

Bei starken oder wiederkehrenden Kopfschmerzen steht eine exakte Abklärung durch einen Facharzt  an erster Stelle. Dieser erstellt anhand der Krankengeschichte, der Häufigkeit, Lokalisation, begleitender Beschwerden und der Schmerzdauer eine Diagnose. Eine erfolgreiche Therapie benötigt diesen Ablauf, da es für zahlreiche Kopfschmerzarten spezifische Medikamente und Therapieansätze gibt. Die Erfolgsaussichten sind bei entsprechender Einstellung gut, trotzdem gibt es PatientInnen, bei denen entweder kein oder kein ausreichender Erfolg erzielt werden kann

Bildgesteuerte Therapie 

Bereits seit Jahrzehnten sind einzelne Techniken zur bildgesteuerten Therapie von Kopfschmerzen bekannt. Im aktuellen Jahrzehnt wurden diese um die Bildsteuerung mit Ultraschall ergänzt und die Ergebnisse einer genauen wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen. Diese aktuellen Resultate finden Sie bei den Details zu den einzelnen Kopfschmerzarten auf der rechten Seite, ebenso sind einige relevante Literaturzitate inklusive der entsprechenden Downloadlinks angeführt.

Cervicogener Kopfschmerz

Diagnosekriterien

Der cervicogene Kopfschmerz ist keine eigene Kopfschmerzform nach den Leitlinien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft. Trotzdem wurden folgende Kriterien definiert:

  • Schmerzen in einer oder mehreren Regionen im Kopf- und Halsbereich
  • Klinisch oder bildmäßig nachgewiesene Veränderungen der Halswirbelsäule, die Kopfschmerzen verursachen können
  • Schmerzbeseitigung durch diagnostisch/therapeutische bildgesteuerte Therapie cervicaler Strukturen und/oder deren Nervenversorgung

Medikamentöse Schmerztherapie

Prinzipiell spricht der cervicogene Kopfschmerz auf die „klassichen Schmerzmedikamente“ an, diese wirken jedoch nur symptomlindernd. Daher ist eine Therapie, die an der Ursache ansetzt, zu bevorzugen.

Bildgesteuerte Therapie

Die ultraschall- und computertomographiegesteuerten Therapien sind der zentrale Punkt in der Diagnostik und Therapie des cervicogenen Kopfschmerzes. Nach entsprechender klinischer Untersuchung und Bildgebung mittels MRT können Veränderungen an den Gelenken, Bandscheiben und Nervenkanälen oder der Nerven direkt rasch und komplikationsarm mit guten Erfolgsraten durchgeführt werden.

Daher sind bei cervicogenem Kopfschmerz primär bildgesteuerte Therapien anzustreben.

Clusterkopfschmerz

Diagnosekriterien

  • Aattackenartig
  • Streng einseitig
  • Extrem heftiger Kopfschmerz mit retroorbitalem Punctum maximum
  • Verhältnis Männer zu Frauen 3:1
  • Begleitsymptome wie Augentränen, Nasenlaufen, Gesichtsrötung
  • Bis zu 8 Attacken täglich, Attackendauer 15 und 180 Minuten
  • Migräneartige Symptome wie Aura, Übelkeit und Lichtscheu können vorkommen
  • Attacken oft zur gleichen Stunde im Tagesverlauf 1–2 Stunden nach dem Einschlafen oder in den frühen Morgenstunden

Medikamentöse Therapie

  • Akuttherapie:
    • Inhalation von 100% Sauerstoff über Gesichtsmaske mit Rückatembeutel
    • 6 mg Sumatriptan subcutan
    • Intranasale Applikation von Lidocain 4–10%
  • Vorbeugung zukünftiger Attacken:
    • Verapamil bis 480 mg täglich
    • Prednisolon mind. 1mg/kg KG initial für 2–5 Tage, dann individuell abdosieren
    • Lithium 600–1500 mg täglich (Serumspiegel 0,6–0,8 ml/l)
    • Topiramat 100–200 mg täglich

Bildgesteuerte Schmerztherapie

Mehrere Studien belegen die Wirksamkeit von ultraschallgezielten Infiltrationen des großen Hinterhauptsnerven für die Vorbeugung zukünftiger Attacken. Diese Therapieoption ist eine effektive Möglichkeit, die Attackenhäufigkeit für mehrere Wochen deutlich zu reduzieren.

Da diese Therapieoption für die PatientInnen wenig belastend und nahezu risikofrei durchführbar ist, kann eine bildgesteuerte Therapie vor allem zur Vorbeugung zukünftiger Attacken mit guten Erfolgsaussichten empfohlen werden.

Migräne

Diagnosekriterien

  • Attacken heftiger, häufig einseitiger pulsierend-pochender Kopfschmerzen
  • Zunahme bei körperlicher Betätigung
  • Häufig begleitet von Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit,  Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen und/oder leichtem Augentränen
  • Die Intensität der Attacken kann stark variieren
  • Attackendauer 4-72 Stunden

Medikamentöse Therapie

  •  Akuttherapie: „Klassische Schmerzmedikamente“ wie zB 1000mg Acetylsalicylsäure oder200–600 mg Ibuprofen oder Diclofenac 50-100mg  oder 2 Tabletten fixe Wirkstoffkombination 250 mg Acetylsalicylsäure, 250 mg Paracetamol und 65 mg Koffein. Die Einnahme dieser Medikamente sollte in der Regel an maximal 10 Tagen/Monat erfolgen.
  • Zur Vorbeugung bzw. Abkürzung der Attacken und im Langzeitverlauf Therapie mit spezifischen Wirkstoffen (Triptanen)
  • Bei Übelkeit ergänzend Metoclopramid 10 mg

Bildgesteuerte Therapie

Die Wirksamkeit von ultraschallgezielten Infiltrationen des großen Hinterhauptsnerven wurde sowohl für die Behandlung der akuten Schmerzattacke wie auch die Vorbeugung zukünftiger Attacken untersucht.

  • Akute Schmerzattacke: Die bildgesteuerte Therapie scheint die Schmerzintensität und Lichtscheu zu verringern und die Dauer zu verkürzen
  • Vorbeugung von zukünftigen Schmerzattacken: Sowohl die Häufigkeit, wie auch die Dauer und Intensität können für Wochen bis Monate durch die bildgesteuerte Therapie reduziert werden

Da diese Therapieoption für die PatientInnen wenig belastend und nahezu risikofrei durchführbar ist, kann eine bildgesteuerte Therapie als Ergänzung zur medikamentösen Therapie mit guten Erfolgsaussichten empfohlen werden.

Spannungskopfschmerz

Diagnostikkriterien

    • Die Kopfschmerzdauer liegt zwischen 30 Minuten und 7 Tagen
    •  Der Kopfschmerz weist mindestens 2 der folgenden Charakteristika auf:
      • beidseitige Lokalisation
      • Schmerzqualität drückend oder beengend, nicht pulsierend
      • leichte bis mittlere Schmerzintensität
      • keine Verstärkung durch körperliche Routineaktivitäten wie Gehen oder Treppensteigen
    • Beide folgenden Punkte sind erfüllt:
      • Keine Übelkeit oder Erbrechen (Appetitlosigkeit kann auftreten)
      • Lichtscheu (Photophobie) oder Belastung durch Lautstärke (Phonophobie), nicht jedoch beides kann vorhanden sein

Medikamentöse Therapie

  • „Klassische Schmerzmedikamente“ wie zB 500–1000mg Acetylsalicylsäure oder 500–1000 mg Paracetamol oder 200–400 mg Ibuprofen oder 5000–1000 mg Naproxen oder 500–1000 mg Metamizol oder fixe Wirkstoffkombination 250 mg Acetylsalicylsäure, 250 mg Paracetamol und 65 mg Koffein. Die Einnahme dieser Medikamente sollte in der Regel an maximal 10 Tagen/Monat erfolgen.
  • Zur ergänzenden Therapie gibt Hinweise für die Wirksamkeit der großflächigen Applikation von Pfefferminzöl an den Schläfen und im Nacken.
  • Weitere Medikamente zielen auf die Behandlung von Begleiterkrankungen wie zB Depressionen und Muskelverspannungen

Bildgesteuerte Therapie

Bei dieser Kopfschmerzform zeigt die bildgesteuerte Therapie leider keine wissenschaftlich ausreichend belegten Erfolge. Bei Nichtansprechen der oben angeführten Therapieoptionen kann aber mit einer ultraschallgezielten Infiltration des großen Hinterhauptsnerven beidseits mit einem Schmerzmittel und Cortison ein Therapieversuch durchgeführt werden, der in einzelnen Fallserien gute Ergebnisse gezeigt hat.

Univ.-Doz., Priv.-Doz. Dr. Robert Bucek, MBA hat 4,99 von 5 Sternen |15 15 Bewertungen auf ProvenExpert.com